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37. Sorcha

  In ihrem ganzen Leben war Sorcha noch nie so fassungslos sprachlos gewesen und ihre grünen Augen strahlten den Schmerz und das Leid aus, das sie tief in sich verspürte. Sie musste nur die intensiven Gefühle aufgreifen, die sich in diesem riesigen Raum ansammelten, was sie zu einem Minimum reduzierte. Es wurde erstickend und erdrückend zugleich. Die Worte und die Anklage ihrer Gro?mutter wogen unsagbar schwer und würde Adairs beruhigende, gro?e Hand nicht auf ihrem Rücken ruhen, w?re sie zweifellos zusammengebrochen. Für ihre Granny, die so stolz, zornig und verletzt ihr Kinn in die H?he reckte… ihrem angeblichen ?ltesten Bruder die Stirn bot und welche Grausamkeit er über die ganze Familie gebracht hatte. Egal, welche Sch?den dadurch entstanden waren. Allein das lie? ihre W?lfin vor Wut und unstillbarem Zorn in ihr knurren und wüten. Aye, Sorcha stand vor einem unerschütterlichen Ausbruch und durch die Rudelverbindung verspürte sie, dass sie nicht die Einzige war. Jeder aus dem MacKenzie-Clan war erbost darüber, welches Leid die alte W?lfin in ihrer Vergangenheit durchlitten und wie sie um ihr Leben hatte k?mpfen müssen. Sorcha fühlte ihren Vater und Grannpa, die geballte zornige Macht des MacKenna-Clans. Dies würde der erste und vermutlich der einzige Augenblick sein, dass Sorcha unheilvoll froh war, dass ihr Bruder Neil gerade nicht anwesend war. Er w?re ebenfalls unter dieser Erfahrung ausgebrochen… wie ein wilder Berserker, der sich nicht kontrollieren k?nnte.

  ?Du… verfluchtes Miststück“, fauchte knurrend das Ratsmitglied… der Bruder ihrer Gro?mutter… wütend und lie? nicht den hasserfüllten Blick von ihrer Granny los, als h?tte er jedes Recht, sie zu verachten und ihr mit Schritten n?her zu kommen.

  ?Rühre sie nicht an“, knurrte Sorcha diesmal warnend und einmischend, als sie einen Schritt n?her an ihre Gro?mutter heranrückte und ihre Augen warnend verengte. Ihr Grannpa und ihr Vater hatten sich ebenfalls auf die Fü?e gerissen und sich hinter der alten W?lfin als schützende Mauer aufgebaut. Wie es jeder ihres Clans tun würde. Die anderen würden sich alle blitzartig erheben, sollte es so weit kommen.

  Dieser hasserfüllte braune Blick des alten Wolfes loderte nun Sorcha an. ?Du… solltest schweigen, als rangniedrigstes Mitglied und das als eine Omega. Du solltest die Pflichten erfüllen, die man von dir erwartet“, warf Arran Hamilton provokant vor. Nicht nur, dass alle aus ihrem Rudelclan ihre erboste Macht freien Lauf lie?en, weil er Sorcha… und sie als Luna… auf h?chste Weise beleidigt und respektlos behandelt hatte, sondern auch ihre W?lfin brach aus ihr heraus… ihr Gesicht und die leuchtenden Augen verh?rtend. Ihr K?rper spannte sich wie ein Bogen an, der nur darauf wartete, dass jemand diese Sehne loslie?.

  Sorcha konnte neben sich Adair in voller zorniger Pracht spüren und ihr Gef?hrte war mit Sicherheit in Rage darüber, weil er alle alten Ratsmitglieder zuvor gewarnt hatte. Doch wie es aussah, hatte jegliche Drohung keine reifen Früchte getragen, wobei nun sie pers?nlich an der Reihe war. Ihr war es nicht entgangen, wie sich die restlichen Ratsmitglieder von Alpha Arran Hamilton absonderten, als stie?en sie ihn aus ihren Kreisen heraus. Sie spürten den pl?tzlichen Anstieg der gewaltigen Energie, die wie ein pulsierender Herzschlag durch den Raum floss. Zwischen ihnen gab es keinerlei Loyalit?t und Rückgrat. Jeder war sich selbst der N?chste.

  Nur war diesmal Sorcha an der Reihe und lie? ihre pulsierende Macht auf den einzigen Wolf niederprasseln, der n?rrisch und beleidigend zugleich war. Weil er bettelte, eine Konsequenz spüren zu wollen. Arran Hamilton brach ?chzend auf die Knie nieder, da Sorcha ihre k?nigliche Macht entfaltete. ?Feiger… Hund“, beschimpfte Arran Hamilton kr?chzend, weil er dieser schweren Macht nicht widerstehen konnte. ?Ist es… das Einzige, was ihr… k?nnt, Alpha Adair MacKenzie? Eure Macht… so schamlos auszunutzen?“, warf er Adair vor und sein ketzerischer Blick richtete sich mit Mühe auf ihren Gef?hrten.

  Adair schnalzte verachtend mit der Zunge, verschr?nkte die Arme vor seiner massiven Brust und stand breitbeinig und beschützend hinter ihr. ?Tss, als würde ich meine H?nde erneut schmutzig machen, weil in euren K?pfen kein anst?ndiges Benehmen h?ngen bleibt“, schnaubte er sarkastisch. ?Ich war zu gutmütig, aber nicht ich bin es, der gerade seine Macht auf euch niederprasseln l?sst. Ihr habt meine Gef?hrtin und Luna erneut beleidigt und respektlos behandelt. Dieses Mal wird sie es selbst sein, die euch eine Lektion erteilt, sodass ihr endlich begreift, was es bedeutet, sich richtig und vernünftig aufzuführen“, lachte Adair h?hnisch auf und Sorcha konnte kein Mitleid aus seiner Stimme wahrnehmen. ?Dabei wollte ich euch vor dem berechtigten Zorn meiner Gef?hrtin schützen, aber jetzt…“, schnalzte Adair erneut missmutig mit der Zunge und lie? die fehlenden Worte im Nichts verschwinden.

  Sorcha verstand durchaus gut, was ihr Gef?hrte tat. Er lie? diesen Wolf unter Druck zerbrechen und sie verspürte keinen Deut Sympathie für ihn. ?Sie sind der Bruder meiner Gro?mutter und leider…“, schnalzte sie missbilligend mit der Zunge. ?Ich bin nicht stolz darauf, das zuzugeben, aber es ist eine Schande, solch ein Verhalten an den Tag zu legen, das keinerlei Ehre und Verstand besitzt“, murrte sie weiterhin erzürnt, lockerte aber ihre k?nigliche Macht ein wenig, weil sie ihn nicht v?llig niederstrecken wollte. ?Ich habe mich gütig, verst?ndnisvoll und respektvoll verhalten, aber da mir nicht das gleiche Recht zugesprochen wurde, werde ich mich nun ebenfalls nicht zurückhalten und meine Meinung dazu ?u?ern, was ich davon halte.“ Sie lie? ihren grünen, verengten Blick über die nicht tolerierten Anwesenden schweifen. ?Dass hier mehrmals erw?hnt wurde, darauf spekuliert wurde, ich sei nur eine bedeutungslose Omega und bes??e daher keinen Wert. Ich sehe nur drei wirktliche Alphas unter euch, die von Geburt an, diesen Rang besitzen. Alle anderen R?nge fallen weit darunter aus… so frage ich mich, warum unter euch vorhandenen Ratsmitgliedern sich ebenfalls fünf von euch befinden, die ebenfalls Omegas sind?“, fragte Sorcha voller Emp?rung und auch ihre Aufmerksamkeit galt dem Wolf, der vor allen niederkniete. ?Ihr, Arran Hamilton, seid ebenfalls ein Omega von Geburt an.“

  ?Eine Lüge“, schrie Arran voller Ablehnung und Zornigkeit, seine braunen Augen flackerten vor wütender Inbrunst. ?Ich bin ein Alpha… nichts weiter. Meine Position ist vom hohen Rang.“

  ?Ach ja? Meine Position als Luna w?re ebenso ein hoher Rang und mit einem Alpha gleichgestellt“, widersprach Sorcha und sie konnte es nicht ausstehen, wie wertlos sich eine Frau in dieser Anwesenheit solcher M?nner fühlen musste. Die verachtenden Augen, die jetzt auf ihr gerichtet waren, sprachen mehr als gesagte Worte.

  ?Tss“, zischte einer aus der gr??eren Menge der Ratsmitglieder. ?Wohl kaum. Eine Frau sollte wahrhaftig wissen, wohin sie geh?rt und uns M?nnern das Reden und Handeln überlassen. Ihr seid zu emotional und zartbesaitet, als vernunftbegabte Entscheidungen zu treffen, die einen h?heren Belang besitzen. Euch würde jedes rationale Denken verloren gehen.“

  Aye, b?se beleidigende Worte, und die Atmosph?re wurde stets dicker, je mehr Worte fielen. Pl?tzlich schoss ein sarkastisches Lachen durch die Luft und zerschnitt auf brutalste Weise die dicke Luft. ?In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so viel n?rrischen Humbug und zutiefst verspottende Arroganz geh?rt. Nicht auf so einen unbedeutenden Haufen von geistigem Dünnschiss“, sprach Douglas abwertend... und so hatte Sorcha ihn noch nie derb sprechen geh?rt. Dieser Wolf war stets die Ruhe selbst und jeder konnte seine F?higkeit als hochgeachteter, ehrbarer Mann ausweisen. Dass Sorcha schockiert war, w?re eine Untertreibung ihrer Gefühle, aber die fremden M?nner waren emp?rt von diesen provokanten Ausdrücken. Douglas sa? ruhig auf seinem Platz in der Reihe, als fürchtete er sich vor niemandem… sein Arm l?ssig auf der Tischplatte ausgestreckt. Seine grauen Augen schnitten wie zwei scharfe Klingen durch die Menge. ?Kein Wunder, dass ihr euren Arsch nicht hochbekommt und etwas ?ndern wollt, weil ihr nichts anderes zu tun habt, als euch mit eurer gr??ten Macht gegenseitig wie alte eitle Pfauen rum zu prahlen. Jederzeit bereit, euch die prachtvollen Federn gegenseitig in die ?rsche zu stecken.“

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  Das erfreute Lachen ihrer Granny durchschnitt ebenfalls diese angespannte Stimmung und als w?re jede schreckliche Erinnerung ihrer Vergangenheit von ihrem faltigen Gesicht wegradiert worden. ?Das gef?llt mir wahrlich, aber die Worte sind wahrhaftig wahr... alles klingt nach geistigem Dünnschiss“, griff sie die sarkastischen Worte von Douglas auf. ?Unsere Mondg?ttin muss wahrlich entt?uscht von so einem unf?higen Haufen sein, der nichts Vernünftiges auf die Beine bekommt. Das Einzige, was der Rat bezweckt, ist nichts weiter als alles niederzudrücken, anstatt auf den Werten unserer Rasse aufzubauen. Keine Ehre, keine Loyalit?t und vor allem kein Rückgrat. Euch fehlt jegliche Courage… das ist nichts weiter als unverf?lschte Schw?che.“

  ?Schweig, Weib. Eure Worte alleine schon beleidigen unsere heilige Mondg?ttin, je mehr über Eure Lippen kommt“, zischte ein anderer m?nnlicher Wolf unter den Ratsmitgliedern. ?Ihr wisst überhaupt nicht, wie viel Verantwortung auf unseren Schultern lastet, damit Frieden, Wohlstand und Einigkeit in den meisten Rudelclans herrscht.“

  ?Welcher Frieden, Wohlstand und Einigkeit in den Rudelclans?“, mischte sich Douglas erneut ein, denn er war ein ehemaliger Alpha gewesen und hatte mehr mit der Niedertr?chtigkeit des alten Rates zu k?mpfen gehabt. Wie der ehemalige Alpha ihres Rudels… Lachlan MacKenzie. Der leider nicht mehr unter ihnen weilte und das drückte noch sehr, die Traurigkeit würde noch eine Weile anhalten.

  ?Ich verstehe nicht, weshalb ihr überhaupt hier seid, Douglas MacCulloch“, knurrte einer der Ratsmitglieder abf?llig. ?Ihr seid t?richt genug gewesen, euren Titel als Alpha abzulegen… nur um Euch dem paradoxen Unterfangen anzuschlie?en und Euch dem Rudelclan der MacKenzie anzuschlie?en. Es ist uns immer noch ein R?tsel, aus welchen Gründen und wie schnell Ihr Euch vereint habt, ohne jegliches Aufheben und das mit einer Schnelligkeit.“

  ?Selbst wenn ich es Euch erkl?ren würde, h?ttet Ihr erstens überhaupt kein Verst?ndnis oder Begreifen, warum und weshalb. Zweitens ist es meine Entscheidung, was richtig und falsch ist und dass ich für das Wohl meines ehemaligen Rudelclans entschieden habe. Drittens würde es Euch ohnehin nichts angehen, weil ich meine Entscheidung nicht bereue, dass ich als Alpha zurückgetreten bin. Ich bin sogar sehr zufrieden und stolz auf meine Entscheidung. Dennoch bezweifle ich weiterhin, wie wenig Ihr es seht, weil ich es an Euren verst?ndnislosen Blicken erkenne. Also jede Mühe w?re hoffnungslos und erspare mir so die Energie“, lachte Douglas abwertend und Sorcha war überrascht, wie ehrlich seine Worte klangen.

  Dennoch bemerkte Sorcha, dass diese Art von Gespr?ch nie enden würde und sie sich in einem Teufelskreis bewegten, der endlos erschien. Sie besa?en ihren Blickwinkel und die Sicht dahinter, was verkehrt lief in ihrer Welt ihres Volkes. Die Ratsmitglieder eben ihre Seite und keiner würde seine Macht einfach so aufgeben. Weder sie, weil sie beschlossen hatten zu k?mpfen und für das Recht auf Gleichberechtigung. Ebenso würde der alte Rat seinen Standpunkt vertreten, ohne eine Schlacht sich zurückzuziehen. Daher nahm Sorcha all ihre k?nigliche Macht zurück. Aye, sie k?nnte durch die Macht ihrer Mondg?ttin jeden Einzelnen ohne Probleme in die Knie zwingen und brechen. Vielleicht h?tten viele nichts von dieser Ansicht, aber das war nicht ihr Weg.

  Kaum dass Sorcha ihre Kr?fte zurücknahm, sprang Arran Hamilton auf seine Fü?e, als w?re er ein Wolf in jüngeren Zeiten. Trotz seines wohlgen?hrten Leibes funkelten seine Augen hasserfüllt weiter, als w?re er nicht belehrbar – und vermutlich musste er das ja auch nicht sein. ?Das… wirst du mir noch bü?en, Weibsbild“, spuckte Arran mit aggressiver Spucke, sein Gesicht vor Zorn ger?tet und verzerrt, als steigerte er sich weiter hinein, was seinen Blutdruck mit Sicherheit in enorme H?he schie?en lie?. Sein K?rper verkrampfte sich und sein Arm war ausgestreckt und zeigte mit einem nackten Finger auf sie. ?Von wegen respektloses Verhalten. Ihr zollt mir überhaupt nichts davon und ich verlange eine gerechte Strafe dafür… mich, ein respektables Ratsmitglied, so sch?ndlich zu behandeln.“

  ?Bevor ich meine Strafe bekomme, Arran Hamilton“, sprach Sorcha mit ausdrucksloser Stimme, weil sie sich das nicht gefallen lassen wollte. ?W?re eure Strafe als Erstes dran.“

  ?Pah, meine Strafe? Für was?“, lachte er h?hnisch auf, als begriff er nicht diesen tiefen Sinn.

  Entt?uscht seufzend schloss Sorcha für einen kurzen Augenblick ihre grünen Augen und schickte ein gn?diges Gebet an ihre Mondg?ttin, sie m?ge ihr genug Ruhe und Kraft verleihen. Ihr Herz schlug in ihrer Brust unregelm??ig, aber sie spürte, wie sich gro?e H?nde von hinten auf ihre Schultern legten, und war erneut dankbar für Adairs Stütze. Erst da ?ffnete sie wieder ihre Augen und lie? den Mann vor ihr nicht aus dem Blick, der zittrig und angriffslustig dastand… jederzeit bereit loszuspringen. ?Eure Anklage ist klar und deutlich, wie ihr eure Schuld vorhin ebenfalls zugegeben habt. Ihr habt eure eigene Familie vor vielen Jahren hinterrücks in einer Nacht des sicheren Schlafes ermordet und dazu einen Titel an euch gerissen, der nicht rechtm??ig Euch zusteht. Selbst wenn Ihr der Erstgeborene seid, so habt Ihr ihn nicht mehr durch Ehre und Fairness verdient… sondern verr?terisch und illoyal.“ Danach brach der Damm und Sorchas Augen weiteten sich angesichts der Tatsache, wie blitzartig alles geschah… in einem einzigen winzigen Wimpernschlag.

  Die Luft im Saal schien pl?tzlich zu knacken, als h?tte jemand eine unsichtbare Saite zum Zerrei?en gespannt. Arrans K?rper... eben noch zitternd vor Zorn auf den Knien... explodierte f?rmlich nach vorne. Kein kontrollierter Sprung, kein strategischer Angriff. Nur blinde, animalische Raserei. Sein halb verwandelter Arm schoss vor, Krallen ausgefahren, Z?hne gebleckt, ein tiefes, gutturales Knurren, das mehr nach verletztem Raubtier als nach Wolf klang.

  Sorcha spürte den Luftzug, bevor sie die Bewegung wirklich registrierte. Adairs K?rper war bereits in Bewegung... ein einziger, flie?ender Schritt nach vorn, massiv und unaufhaltsam wie eine tosende Lawine. Seine Hand schloss sich um Arrans ausgestrecktes Handgelenk wie ein Schraubstock brach. Das Knacken von Knochen war laut genug, dass selbst die Ratsmitglieder, die gerade noch abf?llig gel?chelt hatten, zusammenzuckten. Arran heulte auf... halb Schmerz, halb Wut... und versuchte, sich loszurei?en, doch Adair drehte den Arm mit t?dlicher Pr?zision weiter. Ein zweites Knacken... diesmal lauter. Der Unterarm hing pl?tzlich in einem unnatürlichen Winkel herab. ?Genug“, sagte Adair. Ein einziges Wort. Leise, ruhig... und dennoch so schwer, dass es den ganzen Raum zum Vibrieren brachte.

  Sorcha stand immer noch exakt dort, wo sie gewesen war. Ihr Herz raste, ihre W?lfin kratzte von innen gegen ihre Rippen, doch sie selbst… sie war seltsam friedlich. Als h?tte sie genau diesen Augenblick erwartet. Recht neben ihr hatten sich ihr Grannpa, ihr Vater und die anderen MacKenzies bereits halb erhoben... ein Wall aus Muskeln, gefletschten Z?hnen und glühenden Augen. Enya sa? hinten am Kopfende, ihre bunten Feenflügel surrend vor unterdrückter Spannung. Douglas sa? weiterhin l?ssig zurückgelehnt, aber seine Finger trommelten jetzt nicht mehr entspannt auf der Tischplatte, sondern lagen still und angespannt da. Ihre Granny hatte sich nicht einen Millimeter bewegt. Nur ihr Kinn war noch ein wenig h?her gereckt, und in ihren Augen lag etwas, das fast wie grimmige Befriedigung wirkte.

  Arran hing schlaff in Adairs Griff, keuchend, sabbernd, sein gebrochener Arm nutzlos herabbaumelnd. Der Hass in seinen Augen war immer noch da, aber jetzt mischte sich etwas Neues hinein. Etwas, das Sorcha zum ersten Mal an ihm sah.

  Angst.

  Adair lie? ihn nicht los. Er zog ihn langsam, fast schon bed?chtig n?her heran, seine eisblauen kalten Augen fixierten ihn... Arrans Gesicht nur noch Zentimeter von seinem eigenen entfernt war. ?Du hast meine Gef?hrtin und meine Luna zweimal beleidigt“, sagte Adair leise. ?Einmal habe ich es durchgehen lassen. Das war mein Fehler. Es wird keinen dritten Versuch geben.“ Dann, mit einer fast beil?ufigen Bewegung, schleuderte ihr Gef?hrte Arran quer durch den Raum. Der alte Wolf krachte gegen die verdunkelte gepanzerte Glasscheibe, rutschte daran herunter und blieb reglos liegen. Sein Atem ging rasselnd, aber er bewegte sich nicht mehr.

  Stille. Absolute, erdrückende Stille.

  Sorcha atmete langsam aus. Ihre H?nde zitterten nicht, die an den Seiten ihres K?rpers hinunter hingen. Ihre Stimme war ruhig und klar, als sie sprach. ?Wenn noch jemand von euch glaubt, mich oder meine Gro?mutter noch einmal als Omega oder als Frau abgewertet zu betrachten... als Weibsbild oder als wertlos zu bezeichnen…“ Sie lie? den Satz offen. Lie? ihren Blick langsam über die Gesichter der Ratsmitglieder gleiten. ?… dann soll er jetzt vortreten und es mir ins Gesicht sagen.“

  Niemand rührte sich... nicht ein Einziger.

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